„Islam setzt Gewalt klare Grenzen“

Über das Thema "Gewalt und Islam" referierte Khalid El Abdaoui vom Institut für Islamische Studien der Universität Wien im Bildungshaus St. Hippolyt. Das große Interesse zeigte, dass das Thema hochaktuell ist. Einfache Positionen wie „Der Islam ist eine gewalttätige Religion“, oder „Gewalt hat mit dem Islam nichts zu tun“ befriedigen nicht. Gibt es eine Wahrheit?
 
Durch den Vortrag von Abdaoui zogen sich zwei Stränge. Einerseits, dass die islamistische Radikalisierung von Jugendlichen viele Faktoren besitzt und andererseits, dass die islamische Theologie gefordert ist, eine adäquate theologische Antwort zu finden.

Unter den 570.000 Muslimen in Österreich befänden sich geschätzt 500 bis 1.000 radikale Salafisten. Eine kleine, sehr laute Minderheit bestimme den öffentlichen Diskurs. Doch, was sind Ursachen für die Radikalisierung? Es würden vier Faktoren zusammenspielen: eine strenge (wortwörtliche) Auslegung des Islam, soziale Ursachen, persönliche Neigung zu Gewalt und weltpolitische Konflikte. Aber dieses seien auch nur Erklärungsversuche, denn die jugendlichen Radikalen hätten generell ein geringes theologisches Wissen und würden aus allen sozialen Schichten stammen, das gemeinsame Profil sei noch nicht gefunden. Abdaoui halte persönliche negative Erfahrungen für ausschlaggebend. Negative Erfahrungen bei der Einreise bzw. Integration, familiäre Entfremdung und dann das Treffen auf eine charismatische, starke Persönlichkeit.

Der Salafismus sei eine religiös fundamentalistische Strömung im Islam. Das Kernproblem der Salafisten wäre, dass Demokratie mit dem Willen Gottes nicht vereinbar sei. Sie würden einzelne Koranverse aus dem Zusammenhang nehmen und wortwörtlich befolgen. Wie steht es also mit der Gewalt? Abdaoui erläutert, dass in der „Medinischen Phase“ es den frühen Moslems erlaubt wurde Gewalt anzuwenden, um sich vor Angriffen zu schützen. Das sei im historischen Kontext der Auseinandersetzung Mohammeds mit den „Mekkanern“ zu sehen. Es sei kein Kampf Gläubige gegen Ungläubige sondern von zwei Parteiungen. Als Fazit sieht er: Der Koran predigt keinen Pazifismus, setzt aber der Anwendung von Gewalt klare Grenzen.

Die klassische „exklusive Theologie“ (Gläubige – Ungläubige) sei noch nicht überwunden. Es gebe aber in vielen Ländern, sowohl in mehrheitlich muslimischen Ländern, als auch in Europa neue theologische Ansätze, die den Koran in den historischen Kontext stellen und neue Auslegungen fordern würden. Es brauche aber lange Zeit, dass sich die Theologie ändert und das auch an die Basis dringe.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Mitveranstalter, Thomas Naske von der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Krems (KPH), Rektor Reinhard Knittel von der Philosophisch-Theologischen Hochschule, Katholische Aktion-Präsident Armin Haiderer und Angela Lahmer-Hackl vom Katholischen Bildungwerk unter der Leitung von Johann Bruckner, Vorsitzender des Diözesankomitee Weltreligionen. In der Diskussion wurde die Notwendigkeit des christlich-muslimischen Dialog und die Bedeutung der Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen in Österreich hervorgehoben. Neu für die Teilnehmenden war, dass ab Herbst 2016 an der KPH ein gemeinsamer Weg der Religionslehrer/innenausbildung der abrahamitischen Religionen (fast alle Konfessionen der christlichen Kirchen, Judentum und Islam) angeboten wird.

Foto: KA-Generalsekretär Axel Isenbart, KA-Präsident Armin Haiderer, Fachinspektor Johann Bruckner vom Diözesankomitee für Weltreligionen, Referent Khalid El Abdaoui, Rektor Reinhard Knittel von der Phil.-Theol. Hochschule, Thomas Naske von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule, Bildungswerk-Obfrau Angela Lahmer-Hackl, Franz Moser vom Hiphaus