Besuch in der Mevlana Moschee

Am 8. April wurden wir sehr herzlich von Vertreterinnen und Vertretern des islamischen Kultur- und Wohltätigkeitsvereins St. Pöltens vor der Mevlana Moschee in der Matthias Corvinus-Straße empfangen.

In ihren einführenden Worten erklärte Dr. Angelika Beroun-Linhart, die Vorsitzende des Kath. Akademiker/innenverbandes, auf deren Initiative dieser Besuch zurückging, die Hintergründe für die Namensgebung der Moschee: Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī – kurz Rumi genannt wurde 1207 in Balch, heute Afghanistan, geboren und war ein persischer Sufi-Mystiker, Gelehrter und einer der bedeutendsten persischsprachigen Dichter des Mittelalters. Von seinen Anhängern, insbesondere den Derwischen, erhielt er den Beinamen Maulānā (von arabisch maulā; vgl. Mullah; türkische Schreibweise: Mevlânâ), „unser Herr/Meister“. Nach ihm sind neben dem Mevlevi-Derwisch-Orden auch zahlreiche Gebetshäuser weltweit benannt.
Nach diesen einführenden Worten lernten wir drei Vertreterinnen des Kulturvereins kennen, die für die Frauen- und Jugendarbeit vor Ort zuständig sind: Yasemin Karsioglu, Nesrin Yildirim und Sibel Altuntas. Auch Herr Mehmet Işik, Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinschaft Niederösterreich, und Abdallah Bondok (Islamischer Religionslehrer am Caritas-Bildungszentrum sowie an der HTL, der HLW und zahlreichen anderen Schulen) begrüßten uns sehr wohlwollend und führten uns in die Moschee, die sich im ehemaligen Kindergarten-Gebäude des Glanzstoff-Komplexes befindet.
Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen hatten, betraten wir den hellen, schlicht und harmonisch gestalteten Gebetsraum und lauschten den Ausführungen von Frau Karsioglu, die uns zuerst die Kulteinrichtung des Raumes erklärte (Gebetsnische, Kanzel, Rednerpult) und dann eine kurze Einführung in Geschichte und Weltanschauung des Islam gab.
Der Islam wurde im frühen 7. Jahrhundert n. Chr. in Arabien durch den Propheten Mohammed gegründet und ist mit über 1,8 Milliarden Anhängern nach dem Christentum heute die zweitgrößte Weltreligion.

„Islam“ bedeutet „friedliche und freiwillige Hingabe an Allah“, den einzigen aus sich selbst bestehenden Gott, der nicht zeugt und nicht gezeugt wurde und mit dem sich nichts vergleichen lässt. Ziel ist es, in der Hingabe an Gott mit sich selbst körperlich und geistig in Frieden zu leben. An 1. Stelle steht immer die Gottergebenheit und erst dann alles Weltliche.
Die 6 Glaubensgrundsätze sind:
Glaube an Allah
Glaube an  seine Engel (v.a. Gabriel, Michael, Raphael und Uriel)
Glaube an die Offenbarung in den 4 gesandten Büchern (Tora, Psalmen, Evangelium, Koran)
Glaube an 25 Gesandte (Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed)
Glaube an das Jenseits
Glaube an das Schicksal

Die wichtigste textliche Grundlage des Islams ist der Koran, der als die vom Engel Gabriel an den Propheten Mohammed offenbarte Rede Gottes (Allah) gilt. Er ist in Arabisch verfasst und wird nicht in andere Sprachen übersetzt, um seine Ursprünglichkeit nicht zu verfälschen. Er besteht aus 114 Suren, die wiederum eine unterschiedliche Anzahl an Versen enthalten.
Die zweite Grundlage bildet bei den Sunniten (größte Gruppierung unter den Muslimen) die Sunna, welche die Handlungsweisen des Gottgesandten Mohammed enthält und somit den Gläubigen die Lebensregeln und Verhaltensnormen vorgibt.

Als 5 Säulen bzw. Hauptpflichten gelten nach Koran und Sunna:
Glaubensbekenntnis
Rituelles Gebet (5 x am Tag auf einem Gebetsteppich oder in einer Moschee in Richtung Mekka: vor Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und bei Einbruch der Nacht, vor dem Gebet ist eine rituelle Waschung verpflichtend).
Almosensteuer (sozialreligiöse Pflichtabgabe: jeder finanziell dazu fähige Muslim muss einmal pro Jahr 2,5% seines Vermögens einem Bedürftigen aus seiner nächsten Umgebung spenden).
Fasten (einmal im Jahr 30 Tage im Monat Ramadan – findet nach dem Mondkalender jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt statt, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird nichts gegessen und getrunken, es endet am Abend mit dem Fest des Fastenbrechens).
Pilgerfahrt (= Haddsch, jeder finanziell und körperlich fähige Muslim sollte einmal in seinem Leben nach Mekka reisen und das Hl. Haus Gottes, die Kaaba, siebenmal umschreiten).

Grundsätzlich spielt im Leben der Muslime der Glaube die zentrale Rolle und ist zugleich Überzeugung. In jeder Lebenslage sollte sich der Gläubige bewusst sein, ob er im Sinne Allahs und nach dem Vorbild Mohammeds handelt. Allerdings kommt es auf die Persönlichkeit jedes Einzelnen an, wie ernst er die Gebote nimmt. In der unterschiedlichen Lebensweise der Frauen kommt dies gut zum Ausdruck. Eine muslimische Frau hat das Recht berufstätig zu sein, muss es aber nicht nützen. Sie sollte nach dem Vorbild Mohammeds einem Mann bei der Begrüßung nicht die Hand geben (Männer sollten Frauen auch nicht per Handschlag begrüßen) und sie sollte nach der Geschlechtsreife ein Kopftuch tragen. Es ist aber auch nicht verwerflich, wenn sie dies nicht möchte. Wenn sie sich aber für die Einhaltung dieser Regeln entscheidet, soll es ihr ermöglicht werden. Darum würde ein generelles Kopftuchverbot in Österreich für viele Musliminnen ein Problem darstellen. Auch die Einhaltung der Gebetszeiten sollte, wenn ein Muslim es möchte, ermöglicht werden, sonst könnte bzw. sollte er ggf. die Arbeitsstelle wechseln (jedoch nur 5% der Muslime in Österreich beten regelmäßig). Für Männer ist das Freitagsgebet in der Moschee verpflichtend, Frauen können in der Moschee beten, es ist ihnen jedoch freigestellt, auch daheim zu beten.
Ein sehr wichtiges Prinzip im Leben der Muslime ist die Pflicht des guten Zusammenlebens, der Achtung vor sich und den anderen und der ständigen Weiterentwicklung. Daher sollen sie danach streben, sich durch Dialog und Kommunikation mit ihrer Umwelt auszutauschen, wobei auch manchmal Kompromisse einzugehen sind, um ein gutes Miteinander zu ermöglichen.
Dieser Auffassung wurden unsere engagierten Gastgeberinnen und Gastgeber vollauf gerecht, indem sie im offenen Gespräch jede Frage beantworteten und es uns nachher noch möglich war,  dem Nachmittagsgebet beizuwohnen.

In lockerer Atmosphäre und bei allerlei Köstlichkeiten – zubereitet von Mitarbeiterinnen und Freunden des islamischen Kulturvereins St. Pöltens – ließen wir den Nachmittag dann im Garten bei angeregten Gesprächen gemütlich ausklingen. Zum Abschluss konnten wir den Verantwortlichen auch einen freiwilligen Spendenbetrag von € 155,- für die örtliche Kinderbetreuung übergeben.

Dieser Nachmittag zeigte uns deutlich, dass es im Sinne der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs (IGGiÖ) ist, nicht-muslimischen Interessierten das muslimische Leben in Österreich sichtbar zu machen und näher zu bringen. Durch weitere Veranstaltungen dieser Art ist es möglich, eine religions- und kulturübergreifende Verständigung auf-, sowie Hemmschwellen und Vorurteile abzubauen. Dabei steht der Wunsch im Vordergrund, bei allen Unterschieden in Respekt und Freundschaft zusammenzuwachsen, denn wir sind alle Kinder Gottes.