KAV-Vollversammlung mit Dr. Othmar Karas

Nach einer sehr langen Amtsperiode (8 Jahre) mit Höhen und Tiefen lud der Katholische Akademiker/innenverband der Diözese St. Pölten am 3.3.2018 zu einer Vollversammlung ins Stift Herzogenburg.

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Bei dieser Sitzung wählten alle anwesenden Mitglieder einen neuen Vorstand: Angelika Beroun-Linhart wurde in ihrem Amt als Vorsitzende bestätigt, Markus Berger steht ihr ab nun als Stellvertreter zur Seite. Carl Aigner, Helmut Beroun, Leopold Dirnegger, Josef Kirchner, Brigitte Müller und Regina Zotlöterer wurden teils neu in den Vorstand gewählt, teils in ihrem Amt bestätigt. Von Amtswegen also von der Diözese dazu bestimmt und damit nicht wählbare Mitglieder sind der geistliche Assistent H. Mauritius Lenz und die neue Diözesanreferentin Monika Berger. Den scheidenden Mitgliedern Hans Bruckner, Axel Isenbart und Kurt Leitzenberger wurde für ihre jahrelange Mitwirkung herzlich gedankt


Die EU sind wir!
Im Rahmen dieser Vollversammlung hielt Dr. Othmar Karas einen Vortrag zum Thema „Das Gesicht Europas in Österreich“. In seiner Funktion als Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Wirtschafts- und Binnenmarktsprecher der ÖVP-Delegation warnte er davor, für etwaige Fehlentwicklungen in den Mitgliedsstaaten ständig der EU die Schuld zuzuweisen. Der Parole "die da in Brüssel" stellte er die einfache Aussage entgegen "Die EU sind wir" und räumte mit vielen Vorurteilen über die EU auf. Nur etwa 1 % der jährlichen Wirtschaftsleistung aller 28 EU-Mitgliedstaaten fließt in das EU-Budget. Rund 92 % davon erhalten die Mitgliedstaaten als Förderungen direkt wieder zurück. Für die EU-Verwaltung werden nur 6 % des gesamten Budgets aufgewendet.
Die Konstruktion der EU baut auf die größtmögliche Zustimmung aller Mitgliedsstaaten und trifft keine einzige Entscheidung ohne die Zustimmung Österreichs. Deshalb darf sie auch nur in Politikfeldern tätig werden, die ihr von den Mitgliedsstaaten zuerkannt werden. Bisher gehörte der Schutz der Außengrenzen zum Beispiel nicht dazu. 
Neben den direkten finanziellen Rückflüssen nach Österreich (z. B. Regionalförderungen, Förderung für Landwirtschaft, Umweltschutz, Forschung oder auch Erasmus-Programme) profitiert die österreichische Wirtschaft von indirekten Effekten des innereuropäischen Finanzausgleichs. Förderungen für ärmere Mitgliedstaaten erhöhen dort die Kaufkraft, wodurch die Absatzmärkte für österreichische Unternehmen vergrößert werden. Diese bekommen auch oft  Zuschläge für Aufträge in anderen EU-Ländern. So profitieren wir enorm vom Europäischen Binnenmarkt, wir erwirtschaften 60% unseres Wohlstandes außerhalb Österreichs aber innerhalb der EU.  Ohne diese Umwegrentabilitäten wären das Wachstum und die Beschäftigung in Österreich niedriger. So gesehen ist die österreichische Volkswirtschaft nicht zuletzt dank ihrer Wettbewerbsfähigkeit und der Multiplikatoreffekte der EU-Ausgaben eigentlich „Nettoempfänger“.
Karas beklagte den abwertenden, oft unaufrichtigen Umgang von Politikern und Medien mit der EU. Tatsache sei, dass die einzelnen Länder den globalen Problemen der heutigen Zeit wie zum Beispiel Globalisierung und Klimawandel nicht allein entgegentreten können, sondern nur eingebettet in einen sicheren Staatenbund. Es brauche überzeugte Europäer, die an der Weiterentwicklung dieses Staatenbundes als erfolgreichstes Friedensprojekt seit über 60 Jahren mitarbeiten wollen. Die Österreicherinnen und Österreicher müssen die Europäische Union als eine von 4 Verwaltungsebenen anerkennen, gleichsam einem vierblättrigen Kleeblatt bestehend aus Gemeinde-, Regional-, Landes- und eben Europaebene. Es gelte, mehr Werbung für die EU zu machen, um dieses Bewusstsein zu schaffen, denn ohne die EU würden die europäischen Nationalstaaten und somit auch Österreich weltpolitisch in der Bedeutungslosigkeit versinken.

NÖN-Bericht (vom 5.3.18)

NÖN-Bericht (vom 12.3.18)