Judentum

 

Beim „Tag des Judentums“ der Diözese St. Pölten im Bildungshaus St. Hippolyt erinnerte Mitorganisator Diakon Thomas Naske von der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Krems, dass alle Kirchen ihre Verwurzelung und ihr Fundament im Judentum hätten. Der „Tag des Judentums“ sei gut geeignet zur Selbstbesinnung der Christen, hieß es.

Der evangelische Bischof Michael Bünker appellierte in seinem Referat an die zahlreichen Teilnehmer/innen: „Besuchen wir Synagogen und laden wir jüdische Nachbarn zum Essen ein.“ Er zeigte auf, wie negativ eingestellt der berühmte Reformator Martin Luther gegenüber Juden gewesen sei. Gleichzeitig sei man in der evangelischen Kirche heute so weit, dass man auf die Mission von Juden verzichte und dass man das Nein der Juden zu Jesus Christus ruhig aushalten könne.

 

Musik im Judentum und im Jüdischen Gottesdienst – ist das ein Thema für einen intelligenten Vortrag? Nein, das muss man erleben.
Eine Überraschung erwartete die zahlreichen Teilnehmenden am Abend zum Tag des Judentums. Der angekündigte Referent, Oberkantor Shmuel Barzilai aus der Israelitischen Kultusgemeinde Wien war erkrankt und ließ sich von seinem Sohn Yair Barzilai vertreten. Yair Barzilai ist ebenfalls Kantor – in der Synagoge in Baden - und ein begnadeter Musiker, der mit seinem kongenialen Partner Sapir Wolloch extra aus Israel angereist kam.
Im ersten Teil des Abends stellten sie traditionelle jüdische Musik vor, besonders Lieder zum Shabbat, dem zentralen Tag der Jüdischen Woche. Die ganze Woche ist hektisch und geschäftig, doch am 7. Tag soll Ruhe einkehren. Der Shabbat ist für den Menschen da: zum genießen und miteinander reden, auch das gute Essen darf nicht zu kurz kommen.

 

Am „Tag des Judentums“, den alle christlichen Kirchen in Österreich am 17. Jänner begehen, lädt die Diözese St. Pölten um 19 Uhr zu einem Abend mit Shmuel Barzilai, Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, in das Bildungshaus St. Hippolyt. Die Veranstaltung „Musik im Judentum und im Jüdischen Gottesdienst“ ist ist eine Mischung aus Vortrag über die Musik im Jüdischen Gottesdienst und Musikbeiträgen von Oberkantor Barzilai, unterstützt vom Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese St. Pölten, ein Abend mit alter und moderner Musik.

Oberkantor Mag. Shmuel Barzilai
 

„Mit dem ‚Tag des Judentums‘ drücken wir unser Interesse und unsere Neugierde am Judentum aus und wollen ins Gespräch kommen“, erklärte Johann Bruckner vom „Diözesankomitee Weltreligionen“ bei der Veranstaltung im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt. Der Badener Theodor Much, Gründungsmitglied und Präsident der liberalen jüdischen Gemeinde Or Chadasch, skizzierte in seinem Vortrag die Anliegen des liberalen Judentums – und die Parallelen zum Christentum.

 

Zum „Tag des Judentums“ am 17. Jänner gibt es am Montag darauf, am 18. Jänner, um 19 Uhr einen Vortrag mit Podiumsgespräch zum Thema „Das liberale Judentum“ im Bildunghshaus St. Hippolyt.

 

Bei der diözesanen Feier „Tag des Judentums“ im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt, betonte Axel Isenbart, Generalsekretär der Katholischen Aktion: „Es soll bei aller Trennung der christlichen Kirchen deutlich gemacht werden, dass diese ihre Verwurzelung im Judentum haben.“ Um das Judentum besser kennenzulernen, luden die Veranstalter Rabbiner Schlomo Hofmeister ein, der erzählte, „was Christen vom Judentum wissen sollten“. Damit bekamen die Teilnehmer Auskunft über Glauben und Lebenspraxis von Juden aus erster Hand und autoristiertem Mund. Schon die Konzilsschrift Nostra Aetate habe dazu aufgerufen, mehr über das Judentum in Erfahrung zu bringen.

 

Seit dem Jahr 2000 feiern alle Kirchen in Österreich im Jänner jeweils am Tag vor der weltweit begangenen "Gebetswoche für die Einheit der Christinnen und Christen" den "Tag des Judentums".

 

Monotheismus, Erwählung des Volkes Israel, Tora, Beschneidung, Sabbat, Speisevorschriften und Reinheitsvorschriften – das hat das Judentum zur Zeit Jesu im Kern miteinander verbunden. „Und Jesus und seine Bewegung hat sich in diesem Rahmen bewegt.“ Das betonte der an der St. Pöltner Philosophisch-Theologischen Hochschule lehrende Neutestamentler Josef Pichler bei seinem Vortrag "Vielfältige Gestalt des Judentums in neutestamentlicher Zeit" im Bildungshaus St. Hippolyt anlässlich des „Tags des Judentums“.

 
 
 

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