KAV Theater 2013

„Hexenjagd“ im Landestheater

Im Oktober gab es – neben der Lukasmesse in Göttweig –einen weiteren KAV-Termin: Schon lange Tradition sind unsere Vorstellungsbesuche im NÖ Landestheater – diesmal am 17. des Monats mit Arthur Millers „Hexenjagd“.
Uns erwarteten nicht nur ein völlig anderes Ambiente, sondern auch schauspielerische, mitreißende Höchstleistungen.
Die Handlung des Stückes basiert auf tatsächlichen Ereignissen aus dem Jahre 1692, als in Salem, Massachusetts, wo sich Nachfahren der Pilgrim Fathers, englische Puritaner, die im Jahre 1620 an Bord der “ Mayflower“ nach Amerika emigriert waren, niedergelassen hatten.

Einige Mädchen, die bei einem okkulten Ritual überrascht werden, weisen unerklärbare Krankheitssymptome auf. Der zu Hilfe gerufene Pastor Hale soll diesem Phänomen auf den Grund gehen. Die Mädchen merken schnell, dass sie sich vor Strafe retten können, wenn sie andere beschuldigen, sie zu ihrem Handeln getrieben zu haben. Zuerst nennen sie wahllos Namen von Gemeindemitgliedern, die mit dem Teufel im Bund stehen sollen, dann setzen sie ihre Anschuldigungen gezielt ein, um sich an unliebsamen Personen zu rächen. Die Dynamik ist nicht mehr aufzuhalten.Der Bauer John Proctor und seine Frau Elisabeth werden ebenso Opfer, wie andere angesehene Gemeindebürger.
Tatsächlich wurden 150-300 Personen auf die Aussagen der Mädchen hin verhaftet, 30 davon zum Tode verurteilt. 19 wurden gehängt, darunter John Proctor, der sein Geständnis widerrufen hatte, einer zu Tode gefoltert (Giles Corey), vier starben im Gefängnis. Etliche legten ein falsches Geständnis ab, um ihr Leben zu retten. Die anderen wurden später begnadigt, nachdem der Gouverneur aufgrund zunehmender Kritik an der Beweisführung ein neues Gericht einberufen hatte.
Der Gerichtssaal-Situation wurde das „Bühnenbild“ gerecht – man saß nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch auf der Hinterbühne sozusagen unterm Schnürboden und war damit unmittelbar am Geschehen als „Gerichtssaal-Publikum“ beteiligt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler meisterten diese für sie ebenfalls ungewöhnliche Situation ausgezeichnet. Großartig und berührend das Ehepaar Proctor (Burgschauspielerin Alexandra Henkel und Markus Hering vom Münchner Residenztheater), aber auch die hysterischen Mädchen und die anderen Protagonisten des Stückes (Christine Jirku und Helmut Wiesinger als unbeugsamer Giles Corey – um nur einige zu nennen), spielten ihre Rollen überzeugend und mitreißend.

Wie auch im anschließenden KünstlerInnengespräch zum Ausdruck kam, empfanden es alle als sehr nachdenklich stimmendes Stück, das nicht nur religiösen, sondern Massen-Wahn schlechthin, Denunziation und Machtmissbrauch aufzeigt und anprangert.
Arthur Miller, dessen „Tod eines Handlungsreisenden“ heuer ebenfalls auf dem Spielplan steht, schrieb dieses Stück als Kommentar zur Kommunistenjagd in der McCarthy-Ära, doch seine Aktualität hat es nach wie vor nicht eingebüßt. Heute würde man vielleicht noch zum Instrument des Mobbings greifen, wie vermerkt wurde. - Alles in allem ein sehr eindrucksvoller Theaterabend!

Bericht: Dr. Angelika Beroun-Linhart