Lukasmesse 2013

Medizin: Sorge um den Menschen in den Mittelpunkt stellen

Auf die Wurzeln der Medizin und auf aktuelle Fehlentwicklungen ging der Medizinethiker Giovanni Maio bei einem Vortrag im Rahmen eines Ärztetreffens zur traditionellen „Lukasmesse“ am 20. Oktober im Stift Göttweig ein. Neben dem notwendigen Fachwissen gehöre auch eine „verinnerlichte Grundeinstellung der Sorge um den Menschen“ zur Medizin. Die „Lukasmesse“ hat sich seit einigen Jahren zu einem ökumenischen Wortgottesdienst mit anschließendem Vortrag gewandelt und wird jährlich um den Festtag des heiligen Evangelisten und Arztes Lukas (18. Oktober) von der NÖ Ärztekammer und dem Katholischen AkademikerInnenverband veranstaltet.

Das Thema der Barmherzigkeit, das der Evangelist Lukas und aktuelle auch Papst Franziskus zentral ansprechen, „gehört in die Mitte des Lebens, auch und besonders für Ärzte“, betonte der Abt des Benediktinerstiftes Göttweig, Columban Luser, bei der ökumenischen Feier. Der evanglisch-lutherische Superintendent Paul Weiland zeigte anhand des Evangeliums von der blutflüssigen Frau auf, dass neben der körperlichen vor allem die soziale Heilung von Bedeutung sei: Jesus habe die geheilte Frau auch aus ihrer Anonymität und Isolation heraus geholt.

Beziehung statt Management
Erst das Christentum habe die bedingungslose Zuwendung zum Kranken etabliert, führte Maio aus. „Heute laufen wir Gefahr, dies in Frage zu stellen.“ In der modernen Medizin vollziehe sich ein großer Wandel, „besonders in der inneren Einstellung“. Medizinische Einrichtungen würden sich heute als wirtschaftliche Unternehmen verstehen, so der Professor für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Wirtschaftlichkeit sei zwar auch notwendig, was heute jedoch gefordert werde, sei Rentabilität. „Das war bisher fremd. Es muss sich nicht rechnen, dass man hilft“ Von dieser „Fraglosigkeit ärztlicher Hilfe“ habe sich die Medizin zunehmend entfernt.
Nur ein Arzt, der sich auf die „soziale Wirklichkeit“ des Patienten einlasse, werde von diesem verstanden. Daher müsse die Sorge um den Kranken neu belebt werden. Die bedeute nicht Management, sondern zwischenmenschliche Beziehung. „Im Grunde ist die Medizin eine Form des Gebens“, erklärte Maio und zählte sieben „ Formen des Gebens“ auf: Zeit schenken, nicht „abringen“; Aufmerksamkeit, die Gabe auf den anderen hören zu können; Hingabe, die Medizin nicht als reinen Leistungserbringung betrachten; Begegnung als „zentrale Form des Gebens“, eine „dialogische Bereitschaft“; Wohlwollen für den Patienten; Ermutigung geben können, Zuversicht vermitteln, nicht nur sachgerechte Informationen; schließlich Liebe zum Patienten, eine tiefe Wertschätzung zum „fragmentarischen Leben“, das mir begegnet. Der Mensch sei in jeder Situation etwas Besonderes und Einzigartiges, so Maio.

Bericht: Kommunikationsreferat der Diözese St. Pölten