Selbstbestimmter Tod oder Sterben in Würde? - Aktuelle Debatte über Euthanasie bei 25. NÖ Juristenmesse in Krems

Ein deutliches Plädoyer für „das Recht auf den eigenen Tod“ und damit die Liberalisierung der Sterbehilfe hielt Peter Kampits, stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt und Leiter des Zentrums für Ethik in der Medizin an der Donau-Universität Krems, während der 25. NÖ Juristenmesse in Krems. Während der selben Vortragsveranstaltung forderte hingegen Elisabeth Doenicke-Wakonig, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Hospiz NÖ, einen Ausbau der Möglichkeiten von Palliativcare als gutes Gegenprogramm zur falsch verstandenen „Sterbehilfe“.

Ein „selbstbestimmtes Sterben“ zu ermöglichen, das forderte Peter Kampits in seinem Eröffnungsvortrag vom Gesetzgeber. Kampits wörtlich: „So wie ich in meinem Leben verfüge, soll ich es auch im Sterben können.“ Die aktive Beendigung des Lebens auf Wunsch des Patienten sei derzeit stark in der medizinethischen Diskussion, nicht zuletzt durch die aktuelle parlamentarische Enquete zum Thema "Die Würde am Ende des Lebens". Natürlich gebe es ein „Lebensrecht“, doch dürfe das auch nicht zu „Lebenspflicht“ werden. Der Trend gehe ohnehin in die Richtung „Entmündigung des Einzelnen“. Im Hinblick auf seine Co-Referentin forderte er abschließend, Palliativmedizin solle nicht "gegen Sterbehilfe ausgespielt werden". Beide könnten gleichberechtigt sein, wenn nur die Sterbehilfe nicht verboten würde.

Ganz anders der Ansatz der Palliativmedizinerin Elisabeth Doenicke-Wakonig, für welche der „Wunsch zu sterben häufig auf Resignation wegen des Kontrollverlustes in der neuen Patientensituation“ zurückgehe. Studien belegten, dass bei den meisten Fällen von assistierten Suizid gar nicht erst versucht worden sei, eine palliative Behandlung vorzunehmen. Die „Hospiz- und Palliativversorgung“ mit ihrem Schwerpunkt auf dem Sinnvollen, nicht dem Machbaren sei eine gute Antwort auf die Ängste der Menschen vor einem schweren Sterben. Doenicke-Wakonig wörtlich: „Fast alle Konflikte am Ende des Lebens können durch Kommunikation und Palliativversorgung gelöst werden.“ Für sie gehe der Trend „weg von Sterbehilfe, hin zum Sterben-Lassen“. Dementsprechend wünschte sie sich auch den Ausbau von Möglichkeiten der Palliativ- und Hospizversorgung.

Anschließend an die Vorträge kam es zur lebhaften Diskussion der vorgestellten Thesen. An der Veranstaltung, welche der Katholische Akademikerverband der Diözese St. Pölten in Zusammenarbeit mit diversen juristischen Vereinigungen ausrichtete, nahmen ca. 60 Juristinnen und Juristen aus ganz Niederösterreich teil.