500 Jahre Reformation: NÖ-Kirchenvertreter betonen gutes Miteinander

Hohe Vertreter der christlichen Kirchen Niederösterreichs betonten bei einem ökumenischen Studientag in St. Pölten die guten Beziehungen der Konfessionen. Ökumene sei ein „Friedensprojekt“ hieß es. Beim Studientag gab es bereits eine Vorschau auf das Reformationsjahr im kommenden Jahr, bei dem des Thesenanschlags Martin Luthers vor 500 Jahren erinnert wird. Der christliche Glaube sei verbunden mit der Verantwortung für die Mitmenschen, vor allem die, die am Rand der Gesellschaft stehen und unsere Hilfe brauchen.
 

Tenor war weiters, dass die Kirchen durch die voranschreitende Säkularisierung herausgefordert seien. Für die evangelischen Kirchen stelle sich die Frage, was das Reformationsjahr mit sich bringe und wie man danach damit umgeht.

Die Diözese St. Pölten lädt in diesem Zusammenhang bereits jetzt zur ökumenischen Weltgebetswoche für die Einheit der Christen ein, die vom 18. bis 25. Jänner stattfindet und in der in den Dekanaten viele Gottesdienste gefeiert werden. Das Motto lautet: "Versöhnung - die Liebe Christi drängt uns" (vgl. 2 Kor 5,14-20)

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Wieviel Freiheit verträgt der Glaube?“ Referenten waren Ulrich Körtner, Vorstand des Instituts für Systematische Theologie und Religionswissenschaften der Evangelisch-Theologischen Fakultät Wien sowie Bernhard Körner, Leiter des Instituts für Dogmatik der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz. Körner betonte dabei, dass christliche Freiheit aus der Bindung zu Gott komme. Die Freiheit des Christen sei nur möglich, wenn Gott aufgrund der Beziehungsfähigkeit als Person gedacht werde, wie es auch das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt habe. Der Grazer Theologe referierte über das Thema Freiheit und Beziehung zu Gott anhand der Kirchengeschichte. Er erinnerte an die Zeiten Martin Luthers, in der ein Legalismus prägend gewesen sei, der schon kleinste Verstöße bei den Gottesdienstritualen geahndet habe. Doch dagegen habe sich bereits Jesus in seinen Streitgesprächen mit den Pharisäern gewandt. Eine massive Akzentverschiebung habe sich weiters durch das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960er-Jahren ergeben. Das Konzil habe erklärt, dass sich Gott nicht mehr rein in Sätzen, sondern sich selbst offenbart habe. Ein weiterer Perspektivenwechsel sei auch beim Thema Religionsfreiheit gekommen, um das die Konzilsteilnehmer freilich heftig gerungen hätten. Wenn Freiheit vielfach als Bedrohung wahrgenommen werde, dann empfiehlt Körner, die neu entdeckten Freiheiten einzuüben. Die viel zitierte Autoritätsgläubigkeit halte sich laut dem Grazer Theologen übrigens in Grenzen. So würden sich viele Pfarrer heute schon ein wenig als Päpste in ihren Pfarreien sehen, scherzte Körner.

Aus Sicht Körtners ist der Glaube die Quelle wahrer Freiheit. Die Bereitschaft zu dienen sei der Vollzug der Freiheit, Maßstab für evangelische Christen bleibe die Bibel. Die Reformation habe nicht nur kirchliche, sondern auch politische und gesellschaftliche Umbrüche gebracht, die bis heute nachwirken würden. Zentrum der reformatorischen Freiheit sei nicht im Politischen oder Gesellschaftlichen, sondern in der Rechtfertigungslehre zu suchen, so der evangelische Theologe. Die wahre Freiheit sei die Befreiung von der Sünde durch Gott, nur Gott könne davon befreien und das ist Gnade. Dauerhaft sei Freiheit im Reich Gottes, dieses sei schon hier bruchstückhaft zu finden.

Veranstaltet wurde der Studientag vom Ökumenischen Arbeitskreis NÖ-West (Römisch-katholische Kirche der Diözese St. Pölten, Evangelische Kirche AB u. HB NÖ, Evangelisch-Methodistische Kirche, Altkatholische Kirche, Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Serbisch-Orthodoxe Kirche),  vom Katholischen AkademikerInnenverband der Diözese St. Pölten, Bildungshaus St. Hippolyt und vom Institut Fortbildung Religion - KPH Wien/Krems.


Kommunikationsreferat der Diözese St. Pölten

Foto: BV Nicolae Dura, Ordinariatskanzler Gottfried Auer, neuer NÖ-Superintendent Lars Müller-Marienburg,
        
altkatholischer Bischof Heinz Lederleitner, Vorsitzende des Katholischen Akademikerverbandes (KAV), Angelika Beroun-Linhart,
        
Univ.-Prof. Bernhard Körner, Univ.-Prof. Ulrich Körtner.