Begeistert und voller Energie

Trotz unverhofften Wintereinbruchs durften wir zu Beginn unseres Ausflugs nach Theiß einige wärmende Sonnenstrahlen genießen, die uns auf das Motto einstimmten, unter dem dieser Nachmittag stehen sollte „Energie“.

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Mag. H. Bartholomäus Freitag und Organist Michael Koller empfingen uns in der Pfarrkirche mit einer sehr stimmigen Meditation, zu deren Beginn ein kurzer Einblick in die Geschichte der Kirche gewährt wurde. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung wurde Theiß 1783 eigenständige Pfarre und dem Stift Herzogenburg eingegliedert. Die rechteckige Pfarrkirche zu Ehren „Mariä Empfängnis“ stammt aus dem Jahr 1843 und wurde an Stelle der 1716 erbauten Pestkapelle errichtet. Die äußere Gestaltung ist eher schlicht, die Einrichtung ist vom neobarocken Stil (19. Jh.) geprägt.
Unter Einbeziehung der Frohbotschaft der Auferstehung Christi, die in uns allen vom kürzlich gefeierten Osterfest noch nachwirkte, und des Sonnengesangs des Franz von Assisi, in dem der Lobpreis Gottes für alle Aspekte der Schöpfung im Vordergrund steht, näherten wir uns dem Thema „Energie“ auf spirituell-religiöse Weise.
Michael Koller zog uns anschließend in den Bann eines ganz besonderen Instruments, nämlich der seit Mai 2012 hier beheimateten digitalen Rodgers-Orgel. Seit dieser Zeit verfügt die Pfarrkirche Theiß  zwei Orgeln. Neben der denkmalgeschützten Pfeifenorgel des Klosterneuburger Orgelbauers Johann Georg Fischer (gebaut 1843), deren Restaurierung für die kleine Pfarre finanziell nicht zu bewältigen wäre, brilliert die moderne Orgel in den Gottesdiensten und Konzerten. Sie ist von der Registeranzahl her (über 200) die größte der Diözese St. Pölten und bietet im digitalen Bereich mehr als 1000 Klangvariationen, die auch nach mehreren Jahrzehnten an Orgelkonzerten noch nicht ausgeschöpft sein werden. Mit einigen Kostproben demonstrierte Michael Koller die Bandbreite dieser Klangmöglichkeiten: von Glockenklängen über Gesangsstimmen bis zu alten Stimmungen, die auf Knopfdruck verfügbar sind. Gerade diese Vielfalt erfordert große Versiertheit des Organisten, um das Instrument passend einzusetzen. Bei Michael Koller, der H. Bartholomäus auch in den Pfarren Brunn im Felde und Rohrendorf als Organist und Chorleiter unterstützt, ist diese auf jeden Fall gegeben.
Beeindruckt von diesen Hörerlebnissen machte sich unsere Gruppe von rund 30 Interessierten auf zum 2 km entfernten Kraftwerk. Dort empfing uns Ing. Martin Fries, der uns in den darauffolgenden 4 Stunden in den Bann des leistungsstärksten kalorischen Kraftwerks Niederösterreichs zog. Zu Beginn hatten wir noch Zeit uns im InfoCenter bei einer süßen Jause und frischen Obstsäften aus der Region zu stärken. Die Kinder durften die Kraftwerkshäschen, die sich hier seit einigen Jahren natürlich angesiedelt und vermehrt haben, streicheln und sich einem Tischfußballmatch hingeben.
Dann begann ein ca. einstündiger Vortrag über die allgemeine Energiesituation in Österreich und Europa sowie die Bedeutung der erneuerbaren Energiequellen im Vergleich zu fossilen und der Atomkraft. Die EVN legt schon seit längerem ihren Schwerpunkt auf Umwelt- und Ressourcenschonung und grüne Energie: Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie decken in Niederösterreich heute die Grundversorgung. Thermische Anlagen springen bei Bedarfsspitzen oder Engpässen bei Windkraft oder Sonnenenergie kurzfristig ein. Sie dienen also der Versorgungssicherheit. Im Jahr 2016 hatte das Kraftwerk nur 24 Betriebsstunden zu verzeichnen, um Engpässe in NÖ auszugleichen. Heuer waren es aufgrund der Wettersituation bereits über hundert Stunden. Hier spielt auch die sogenannte  Schwarzstarteignung dieser Anlage – sie kann ohne Zufuhr von Strom aus dem Netz in Betrieb genommen werden – eine wichtige Rolle. So kann die öffentliche Stromversorgung in kürzester Zeit wieder gewährleistet werden.
Mit bis zu 800 Megawatt Leistung ist das Wärmekraftwerk Theiß das effizienteste und größte kalorische Kraftwerk der EVN neben den Anlagen in Dürnrohr und Korneuburg. Es besteht aus zwei Blöcken, dem Block A und dem Block B. Zusätzlich stehen zwei Gasturbinen in Reserve zur Verfügung, die seit dem 2011 beschlossenen Atomausstieg auch als Kaltreserve für das deutsche Stromnetz fungieren. Als Brennstoff kommt grundsätzlich Erdgas zur Verwendung. Nur bei unvorhersehbaren Engpässen könnte Heizöl-schwer als Energieträger eingesetzt werden.
Trotz der Verwendung fossiler Brennstoffe wird großer Wert auf die Schonung der Umwelt gelegt. Zwischen 1998 und 2000 wurde eine neue Gasturbine eingebaut und die Möglichkeit zur Wärmeauskopplung für Zwecke der Fernwärmeversorgung geschaffen. Durch eine hocheffiziente Rauchgasreinigungsanlage konnte eine weitere deutliche Senkung der Emissionen erfolgen.
In Theiß befindet sich auch der größte Fernwärmespeicher Europas, mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Kubikmeter Wasser. Mit der Nutzwärme des Kraftwerkes werden die Stadt Krems/Donau, und die Gemeinden Gedersdorf und Grunddorf mit Wärme versorgt.
Nach diesem sehr anschaulich gestalteten Vortrag und einer kurzen Trinkpause folgte eine technische Erklärung zu Aufbau und Funktionsweise des Kraftwerks. Dabei erfuhren wir, wie ein Wärmekraftwerk (grundsätzlich) funktioniert und welche Besonderheiten die Turbinen und Generatoren aufweisen müssen, um derart hohe Leistung bringen zu können.
Bei der folgenden Besichtigung wurde das zuvor nur Gehörte dann erst wirklich begriffen – allerdings mit Vorsicht, da sich viele Rohre im Betrieb sehr stark erhitzen. Ing. Fries führte uns durch die Maschinenhalle hin zur Gasturbine, vorbei an Transformatoren und Schaltanlagen.
Zu Höchstform liefen einige Teilnehmer bei der Station "Fit mach mit" auf. Dort gilt es, mit eigener Muskelkraft Strom zu erzeugen, um kleine Modellautos zu betreiben. Die Besichtigung endete schließlich in schwindelerregenden Höhen, wo wir einen großartigen Blick ins Tullnerfeld und nach Krems hatten (Aussichtsplattform auf 52 Metern Höhe).
Zum Abschluss wurden wir im gemütlichen Ambiente des Infocenters mit Würsteln und Semmeln und wieder einer reichen Auswahl an Getränken versorgt. Kein Wunder, dass hier regelmäßig Veranstaltungen vor allem für das junge Publikum stattfinden, wie z.B. Kinoabende, Kasperltheater, Kinderdisco, Lesenacht uvm.
Gestärkt, voller Energie und mit den Worten des größten Lobes für Ing. Fries und Markus Berger, MSc, dem Initiator dieses Ausflugs und jüngsten Vorstandsmitglied des Kath. Akademiker/innenverbandes, machten wir uns um ca. 19:30 Uhr auf den Heimweg.