Jüdische Musik zum Angreifen

Musik im Judentum und im Jüdischen Gottesdienst – ist das ein Thema für einen intelligenten Vortrag? Nein, das muss man erleben.
Eine Überraschung erwartete die zahlreichen Teilnehmenden am Abend zum Tag des Judentums. Der angekündigte Referent, Oberkantor Shmuel Barzilai aus der Israelitischen Kultusgemeinde Wien war erkrankt und ließ sich von seinem Sohn Yair Barzilai vertreten. Yair Barzilai ist ebenfalls Kantor – in der Synagoge in Baden - und ein begnadeter Musiker, der mit seinem kongenialen Partner Sapir Wolloch extra aus Israel angereist kam.
Im ersten Teil des Abends stellten sie traditionelle jüdische Musik vor, besonders Lieder zum Shabbat, dem zentralen Tag der Jüdischen Woche. Die ganze Woche ist hektisch und geschäftig, doch am 7. Tag soll Ruhe einkehren. Der Shabbat ist für den Menschen da: zum genießen und miteinander reden, auch das gute Essen darf nicht zu kurz kommen.

Das Lied Shalom Alechem heißt die Engel zum Shabbat willkommen und war auch der Willkommensgruß an diesem Abend.
Es folgten Lieder von Shlomo Carlebach, der wiederum einen Teil seiner Kindheit in Baden verbracht hat und ein weltbekannter Geschichtenerzähler und Liedermacher war. Viele seiner ursprünglich religiösen Lieder sind später jüdische Volkslieder geworden.
Im zweiten Teil des Abends spielten und sangen Yair Barzilai und Sapir Wolloch moderne israelische Lieder und vor allem eigene Kompositionen.
Der Abend war ein Erlebnis der besonderen Art, ein Einblick in die jüdische Welt der Musik, zwischen geheimnisvoller Trauer und Süße bis zur überschäumenden Freude, von der Synagoge bis ins moderne Israel.
Ein Wiederhören von Yair Barzilai und Sapir Wolloch ist am 21. Mai beim Jüdischen Straßenfest am Wiener Rathaus möglich.

Axel Isenbart