Blick nach Osten

Exkursion des KAV zur deutschsprachigen Gemeinde der Metropolie von Austria und dem armenisch-katholischen Mechitaristen-Kloster
"Da wir erfleht haben, dass der ganze Tag vollkommen sei, heilig, friedlich und sündlos, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott anbefehlen." Diese Worte aus der Göttlichen Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus begrüßten uns, als wir die Kapelle dieses Heiligen am Samstag Vormittag betraten. Dieses Mal führte uns die Exkursion zu zwei ganz unterschiedlichen liturgischen Traditionen östlicher Kirchen: Zum einen in die Welt der Orthodoxie, zum andern in die armenische Tradition. Bereits seit vielen Jahren hat es sich der KAV zum Anliegen gemacht, die ökumenische Begegnung zu fördern und den kulturellen Austausch mit Schwesterkirchen zu pflegen.

Unser erster Besuch galt der Metropolie von Austria und dem Exarchat von Ungarn, genauer gesagt der dort angesiedelten deutschsprachigen orthodoxen Gemeinde. Seit einigen Jahren feiert diese wachsende Gemeinschaft ihre Gottesdienste in einer neu errichteten Kapelle unterhalb der bekannten Kathedrale zur Heiligen Dreifaltigkeit am Wiener Fleischmarkt. Wie bereits erwähnt betraten wir genau in dem Moment die Kapelle, als die Göttliche Liturgie sich bereits ihrem Ende näherte und die Kommunion gespendet wurde. Die ostkirchliche Tradition versteht ihre Liturgie ja als Abbild des himmlischen Gottesdienstes, weshalb auch alle Sinne angesprochen werden. Wir waren daher beeindruckt vom Gesang des Chors, der nie abbricht, von den Düften des Weihrauchs und dem Glanz der neuen Kapelle. Nach dem Ende der Liturgie erhielten wir aus den Händen des Zelebranten gesegnetes Brot und wurden auf sehr gastfreundliche Art auch zur in der Kapelle stattfindenden Agape eingeladen. Danach nahm sich Erzpriester P. Nikolaus Rappert zwei volle Stunden Zeit, um uns in die ostkirchliche Geschichte und Lebensweise einzuführen. Es gelang ihm hervorragend in wenigen Worten die im ersten Jahrtausend gemeinsame Geschichte von lateinischer und byzantinischer Kirche zu skizzieren und auch die vielen Missverständnisse aufzuzeigen, die nach der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches zu einer zunehmenden Entfremdung der beiden Kirchen geführt hatten. Mit ihm, der in beiden Traditionen beheimatet ist, konnten wir auch viele offene Fragen des alltäglichen Glaubenslebens klären. Wir erfuhren etwa, wie eine kirchliche Ehe geschlossen wird, wie Kinder getauft werden und welche Funktion die Ikonostase hat, jene mit Ikonen reich geschmückte Wand, die ein Kennzeichen ostkirchlicher Gotteshäuser darstellt. Wir durften in diesem Gespräch in den reichen Schatz der ostkirchlichen Denk- und Glaubenswelt eintauchen und gelangten dadurch zu einem besseren Verständnis dieser uns oft unbekannten christlichen Welt. Papst Johannes Paul II. sprach davon, dass Ost- und Westkirche wie zwei Lungenflügel seien, die man beide ganz notwendig zum Atmen brauche. In dieser wertvollen Begegnung durften wir auf jeden Fall einen kräftigen Zug der östlichen Spiritualität nehmen. Den Austausch beendeten wir mit dem uns verbindenden Gebet des „Vater unser“ und dem Segen von P. Nikolaus.


Beim Mittagessen blieben wir weiterhin in der östlichen Welt und stärkten uns in einem griechischen Lokal für unsere zweite spannende Begegnung an diesem Tag. Am Nachmittag führte uns der Weg zu Mitchristen, die so wie wir katholisch sind, deren Tradition uns jedoch oft genauso fremd ist wie die orthodoxe. Wir besuchten das Kloster der Mechitaristen im 7. Bezirk und wurden dort von P. Vahan empfangen. Die Mechitaristen sind ein Orden, der die Liturgie in der sehr alten armenischen Tradition feiert. Immerhin war das Volk der Armenier das erste, in dem kurz nach 300 das Christentum zur Staatsreligion wurde, also noch vor dem römischen Reich. In der Sakristei präsentierte uns P. Vahan etliche liturgische Gegenstände, die wir nur mehr aus Museen kennen. Besonders beeindruckend etwa waren die Schuhe, die der Zelebrant während des Gottesdienstes anzieht und uns an die Pontifikalschuhe bei tridentinischen Hochämtern erinnerten. P. Vahan zeigte uns nicht nur das Kloster, das derzeit von vier Mönchen bewohnt wird, sondern auch die beachtliche Sammlung der Mechitaristen: Wir bekamen liturgische Gegenstände und Paramente zu sehen, gewaltige Wandgemälde, Münzen – und sogar eine echte ägyptische Mumie. Am Ende der Führung durfte natürlich eine Verkostung des berühmtesten Produktes der Mechitaristen nicht fehlen: Der hausgemachte Kräuterlikör Mechitharine. Wir stießen an auf eine spannende Exkursion, die uns in unbekannte christliche Welten direkt vor unserer Haustür führte.

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