Das Evangelium der Maria Magdalena

Jedes Jahr im Advent lädt der Kath. AkademikerInnenverband zur Adventbesinnung samt anschließendem Vortrag in das Bildungshaus St. Hippolyt ein. Dieses Jahr konnte Privatdozentin MMag.a Dr.in Andrea Taschl-Erber für ein Referat gewonnen werden. Thema des heurigen Adventgespräches war ein durchaus brisantes: Das apokryphe Evangelium der Maria Magdalena.


Der gemeinsame Beginn der Veranstaltung fand in der Kapelle des Hippolythauses statt. Der Geistliche Assistent des KAV, Mag. H. Mauritius Lenz, hielt unter der musikalischen Mitwirkung von Angelika Beroun-Linhart an der Orgel und Chiara Zoccola an Querflöte die Andacht. Er stellte darin Maria Magdalena als adventliche Gestalt vor, auch wenn wir sie meist im Kontext des Ostergeschehens verorten. Sie begegnet dem auferstandenen Herrn und gerade im Advent gehe es um diese Begegnung mit dem lebendigen Gott.
Im anschließenden Vortrag – moderiert vom Direktor des Schulamts Mag. Josef Kirchner – stellte Taschl-Erber das Evangelium der Maria vor, eine Schrift, die nicht Eingang in den Kanon der biblischen Bücher gefunden hat, und nur fragmentarisch erhalten ist. Anhand selbst angefertigter Übersetzungen ging sie auf die erhaltenen Texte und ihre Überlieferungsgeschichte ein. Der interessierten Zuhörerschaft wurde vor Augen geführt, dass diese Texte bereits eine frühkirchliche Diskussion über die Rolle der Frau im Prozess der Verkündigung beinhalten. Als Erstzeugin der Auferstehung kam Maria Magdalena der Ehrentitel apostola apostolorum (Apostelin der Apostel) zu. Die erhaltenen Stellen des Evangeliums der Maria Magdalena sprechen von einer besonderen Beziehung und einer den anderen Aposteln vorbehaltenen Offenbarung Jesu. Diese Autorität wird jedoch von Petrus und dem Kreis der Apostel in Frage gestellt. Die Referentin ging zudem auf die bekannten biblischen Erwähnungen und Erzählungen über Maria Magdalena ein und zeigte auf, dass Maria Magdalena stets als erste in den Aufzählungen der Frauen, die Jesus von Galiläa aus gefolgt waren, genannt wird. Das Johannes-Evangelium räumt ihr den meisten Raum ein, indem sie in der berühmten „Noli me tangere“ –Erzählung als Erstzeugin der Auferstehung Jesu geschildert wird, die den Auferstandenen auch „sieht“, ein bekannter Ausdruck der Erkenntnis des lebendigen Gottes. Paulus hingegen erwähnt in seinen Schriften Maria Magdalena mit keinem Wort: Kannte er diese Erzähltradition von Maria Magdalena als erster Zeugin der Auferstehung nicht?
Mit den Kirchenvätern – wie etwa Ambrosius – beginnt allerdings auch ihre Stigmatisierung als Sünderin und Prostituierte, wovon im biblischen Bericht keineswegs die Rede ist. Mit dem Beginn der Frühen Neuzeit endet auch die Darstellungsweise von Maria Magdalena als Lehrerin der Apostel, wie sie noch in zahlreichen mittelalterlichen Psaltern anzutreffen ist.
An der Figur und Person der Maria Magdalena wurde stets auch die Rolle und Bedeutung der Frau im Lehr- und Verkündigungsamt der Kirche diskutiert.
In der abschließenden Diskussion wurde es daher auch als hoffnungsvolles Zeichen gewertet, dass Papst Franziskus vor wenigen Jahren den Gedenktag der Maria Magdalena am 22. Juli zu einem Fest erhöht und somit den anderen Apostelfesten gleichgestellt hat.