Neugebäude

Das Erfüllen räumlicher Volumina mittels stereometrisch gebildeter Raumgrenzen!

Ein mehr  als 450 Jahre alter Rohbau in Simmering war das Ziel unserer Exkursion. Das 187 m lange, von Bonifaz Wohlmuet geplante Festschloss beeindruckte durch seine gewaltigen Dimensionen und originellen Raumlösungen, von welchen die Bilder nur einen sehr eingeschränkten Eindruck vermitteln. Es war von Kaiser Maximilian II. in Auftrag gegebenen worden und wurde der Legende nach an jener Stelle errichtet, an welcher sich  während der ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 die Zeltburg Sultan Süleymans befunden hatte.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden Teile der Anlage abgebaut oder verlegt, das ab 1744 sogar als Munitionsdepot genutzte Schloss und die Gärten verkamen. Die von Clemens Maria Holzmeister im ehemals südlichen Gartenteil errichtete Feuerhalle bezog noch Baureste der weiteren auf dem riesigen Areal befindlichen Gebäude mit ein.
Nach 1945 wurde Bauwerk verschiedentlich als Lager und Fabrikhalle genutzt, in den 1970er Jahren unter Denkmalschutz gestellt und erst ab 2000 teilsaniert.

Wie in der Überschrift angeführt, so hatte unser bewährter Führungsleiter Dr. Arthur Saliger treffend diese gewaltige Raumfülle beschrieben.

Wir starteten unseren Rundgang im ungemein hohen Mittelrisalit, in welchem ein Modell einen Eindruck von der Architektur vermittelt. Die beiden links und rechts davon befindlichen Flügel, als Wandelhallen gedacht, waren ursprünglich vorn offen - jeweils mit einer Doppelreihe riesiger Säulen - gewesen, die Kaiserin Maria Theresia jedoch für den Bau der Gloriette „entführt“ hat. 
Den östlichen Abschluss bildet die sog. Kapelle mit runder Apsis, deren eindrucksvolle Lichtwirkung durch die später erfolgten Fenstervermauerungen sich leider nur erahnen ließ. Wahrscheinlich zum ersten Mai in der Geschichte dieses Festschlosses fand hier kurzer Wortgottesdienst statt, den unser Geistlicher Assistent H. Mauritius vorbereitet hatte. Sein Standort war die ideale akustische Position. 
An der Westseite begrenzte ein oktogonmäßig gestalter Gebäudeteil, der Spaziersaal, den zweiten Flügel. Auch hier hatten bemerkenswerte akustische Kenntnisse zur Gestaltung eines eigenen Kuppelraumes  für die bei Festen aufspielende Musikkapelle geführt.
Ein weiterer Höhepunkt war die durch verschobene Ziegelstrukturen modern anmutende eindrucksvolle „Grotte“.
Im Untergeschoß warteten neben dem alten Meierhof einfache, aber doch verspielte Architekturdetails  im Bereich des ehemaligen Löwenzwingers (Vorläufer des Schönbrunner Tierparks) und riesiger Fischkalter, bevor die Empfangshalle mit dem segelartig gestalteten Gewölbe den Schlusspunkt bildete.

Dr. Arthur Saliger hatte es wieder einmal eindrucksvoll verstanden, diese großartige Architektur uns nahezubringen und es bleibt zu hoffen, dass die Restaurierung dieses gewaltigen Gebäudekomplexes u. a. mit der Freilegung der Lichtöffnungen und Fenster sowie der in dem doppelschaligen Mauerwerk befindlichen Stiegenanlagen eine weniger schleppende Fortsetzung finden möge.

Den Abschluss unserer Reise in die Renaissance bildete der Besuch von Harry*s Augustin Heurigen.

 

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