Prostitution noch immer ein Tabu

Der Katholische Akademikerverband lud zum spannenden Gespräch

Sankt Pölten. „Keine Frau sollte so arm, zu ungebildet oder in so einer Notsituation sein, dass sie ihren Körper verkaufen muss. es macht auf Dauer psychisch und physisch krank.“ Auf diese traurige Realität wies einmal mehr die Organisation Soulwodi hin. Vergangenen Donnerstag lud der Katholische Akademikerverband zum Adventgespräch mit Schwester Anna Mayrhofer ins Bildungshaus St. Hippolyt.

Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren für den Verein Solwodi (Solidarity with Women in Distress - Solidarität mit Frauen in Not), der sich für Frauen, die Opfer von Frauenhandel, Zwangsprostitution, Gewalt und Ausbeutung geworden sind, einsetzt.

Erschreckende Realität

Weltweit gibt es laut der internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen rund 27,6 Millionen Opfer von Zwangsarbeit. davon leben 500.000 in Europa, beim Großteil handelt es sich um Frauen und Mädchen. Moderne Sklaverei umfasst jedoch nicht nur Zwangsprostitution, sondern auch Zwangsarbeit in Fabriken oder am Bau, Bettelei und Organhandel. Letzteren gibt es hierzulande aufgrund des modernen Gesundheitssystems nicht. Das Geschäft mit der gekauften Sexualität boomt jedoch auch bei uns. So gibt es nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes rund 10.000 Prostituierte in Österreich, davon sind circa 6.200 registriert. Bei rund 90% handelt es sich um Frauen aus dem Ausland, die von den Zuhältern überredet oder im schlimmsten Fall auf brutalste Weise zum Verkauf des eigenen Körpers gezwungen werden. „Eine Litauerin hat zu mir gesagt: Die bringen mich um, wenn ich nicht mitfahre. Und eine Polin hat dreimal versucht zu fliehen, die hat man jedes Mal wieder eingefangen uns so sehr zusammengeschlagen, dass sie eine Woche weder sitzen noch liegen konnte“, beschreibt Anna Mayrhofer das unbegreifliche Leid der Frauen.

Die durch größtenteils kirchliche Unterstützung finanzierte Organisation Solwodi fordert daher ein Verbot von Prostitution, um so auch ein Umdenken in der Gesellschaft anzustoßen. „Die Nachfrage nach Prostitution fördert den Menschenhandel. Ein Verbot würde einen bestimmten Wert vorgeben“, unterstreicht Mayrhofer.

Vanessa Huber (Bezirksblätter NÖ 7./8. Dez. 2022, S.17)